von Erich Hausheer im September Panorama
Wer soll das glauben? Wenn sie hier wäre, ich würde sie fragen, wie war das damals? Hast Du Schlangen vertrieben, Verena? Hast Du Kranke geheilt?
Nein ich habe nicht und … doch ich habe. Weisst Du nicht, dass es Geschichten gibt, die wahr sind, obwohl sie nie geschahen? So ist es mit vielen Geschichten über Gott und seine Heiligen. Wer das versteht, versteht die Legenden um mein Leben.
Die Schlangen, die ich vertrieb, trugen alle denselben Namen. Sie hiessen „Angst“. Angst vor dem Tod, Angst alleine zu sein, Angst nicht zu genügen, Angst vor Schmerzen, Angst vor den Menschen, Angst vor einem strengen Gott… . Alles Schlangen!
Dann bist Du den Menschen in ihrer Angst beigestanden. Du hast die Angst vertrieben. Die Schlange mit dem Namen „Angst“. Und was ist mit den Kranken?
Angst lähmt und sie macht blind? Wo die Angst vergeht, werden Lahme gehend und Blinde sehen.
Was hast Du getan, damit die Angst verging?
Nun, ich war Mitmensch und ich habe die Botschaft Gottes ernst genommen.
Du meinst die Liebe? Und damit hast Du die Kranken geheilt?
Nur Gott heilt.
Gut, aber er heilte, weil Du gebetet hast, aus Liebe.
Nein, weil er liebt! Aber, es braucht Menschen, die diese Liebe sichtbar machen. Menschen, die sich anderen zuwenden, helfend und betend. Sie muss sichtbar werden, diese Liebe. Wer würde sonst an sie glauben? Durch die Geschichte von den Schlangen soll diese Liebe Gottes erzählbar und anschaulich gemacht werden.
Aber genau das geschieht nicht, heute nicht mehr. Wir hören die Geschichte und verstehen sie nicht. Wir sehen sie als Gemälde und erkennen nicht, was das Bild bedeutet. Heute gilt nur, was belegbar und datierbar ist.
Dann sorg doch dafür, dass diese Geschichte gilt, dass sie bezeugt und datiert werden kann.
Du bist doch ein Christ. Sei ein Mitmensch und nimm das Gebot Gottes ernst.
So vertreibe ich Schlangen?
Du wirst es sehen. Die Schlange mit dem Namen „Angst“ wird weichen.
