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Auffahrt – Mit Ross oder zu Fuss zum Gottesdienst

Am vergangenen Donnerstag dem 14. Mai fand in Hildisrieden und Sempach der 506. Auffahrtsumritt statt und damit verbunden auch der Auffahrtsgottesdienst unter Leitung von Erich Hausheer, Thomas Sidler und Franz Zemp.

Die Reitermusik zog bereits um 5.00 Uhr morgens in Sempach zur Tagwache durch die Quartiere. Um 6 Uhr machte sich eine grosse Zahl mit Pferd oder zu Fuss über Kirchbühl in Richtung Hildisrieden auf den Weg. Die Prozession traf schliesslich mit Gewieher und musikalischer Begleitung durch die Auffahrtsmusik Sempach um 8.45 Uhr in Hildisrieden bei der Kirche ein. Nach der Begrüssung der Gefolgschaft und der Anwesenden durch Erich Hausheer begab sich die Menge in die Kirche. Der Gottesdienst wurde musikalisch durch den Kirchenchor Hildisrieden, unter Leitung von Phillipe Frei und Unterstützung von Sänger*innen des Kirchenchor Sempach, einem Ensemble der Musikgesellschaft Hildisrieden und Bernadette Inauen an der Orgel eröffnet und mitgestaltet.

Das Auffahrtsfest ist ein wichtiger Anlass im Christentum, da dieser der Auffahrt von Jesus in den Himmel zurück zu Gott gedenkt. Zu so einem grossen Anlass durfte die Kirchengemeinschaft mit Guido Gassmann einen Gastprediger und Seelsorger aus Ruswil begrüssen. Aber woher stammt überhaupt das Fest der Auffahrt? Dazu gab Guido Gassmann den Anwesenden eine kleine Geschichtslektion. Der Auffahrtsbegriff und das damit verbundene Fest stammen laut Überlieferungen aus der Zeit der Römer. Denn die Römer glaubten, dass ihre verstorbenen Kaiser, sowie Jesus damals nach seinem Tod, zu Gott ins Himmelreich, auffahren würden. Das Brauchtum des Auffahrtumrittes ist jedoch etwas jünger und nahm laut Aufzeichnungen seinen Anfang in der Leutpriester Ära von Johannes Feer um 1520.

“Wo ist der Himmel?”, so lautet das Thema der Festpredigt. Liegt dieser in unseren guten Taten, in unserem Glauben und Vertrauen an Gott, in unserer moralischen Haltung oder in den alltäglichen, teils scheinbar banalen Dingen und Gesten? Diese Frage stellte Guido Gassmann auch den Anwesenden. Als Spital- und Pfarreiseelsorger hat er einen einzigartigen und direkten Bezug zu dieser Frage. Guido erzählt, wie Leute an ihrem Lebensende oft mit einer grossen Gelassenheit und Nüchternheit diese Frage beantworten. Er schildert, wie diese Menschen auf ihr Leben zurückblicken, teils mit Reue, Wehmut, Nostalgie, aber auch mit Freude. Jedoch stets mit einer inneren Ruhe und Ehrlichkeit. Ob es “ein Leben danach” gibt und sie in den Himmel auffahren oder sie einfach aufhören zu existieren, sprechen diese häufig gar nicht an. Sie blicken lediglich zurück und sehen die Dinge und die Erlebnisse, die sie erfahren durften.

Genauso wie Jesus damals seinen Freunden und Freundinnen versicherte, dass er selbst nach seinem Tod bei Ihnen sein wird, so betrachtete er auch sein Lebensende mit einer inneren Ruhe und Ehrlichkeit. Denn sowie die Auffahrt den Übergang Christi von der Erde in den Himmel symbolisiert, so symbolisiert sie auch das Leben nach dem Tod. Denn sowie jeder und jede ein Stück Gottes und Jesus in sich trägt, so trägt auch jeder und jede ein Stück Himmel in sich. Deshalb, selbst wenn jemand der uns wichtig war und nahe stand stribt, so werden wir stets ein Stück dieser Person bei uns tragen. Sei dies in Form von Erinnerungen, Momenten oder durch das, dass wir alle ein bisschen Himmel in uns tragen.

Zum Abschluss bedankte sich Erich Hausheer bei allen Mithelfenden, welche es erst überhaupt ermöglichten diesen Anlass so wieder stattfinden zu lassen für deren Engagement und Hilfsbereitschaft. Sei dies der Reitverein Sempach der jedes Jahr die Pferde versorgt und betreut, die Auffahrtsmusik die den Anlass musikalisch begleitet, den Kirchenchor, aber auch die Pfarreien und Kirchgemeinden der involvierten Gemeinden, welche jedes Jahr diesen Anlass mitgestalten und mitorganisieren.

Anschliessend an den Gottesdienst wurden die Leute dazu eingeladen im InPuls bei einem Brunch, von der JUBLA Sempach organisiert, oder im Roten Löwen ein gemütliches Beisammensein zu geniessen. Um 12.15 Uhr begann mit der Pferdesegnung vor der Kirche der zweite Teil des Umritts und eine grosse Menge brach wieder in Richtung Sempach auf, wo diese dann nach 15.00 Uhr den Nachmittag mit einer Abschlussfeier im Städtchen ausklingen liess. Text und Foto Marc Amrein

 

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